Das Erasmus+KA2 Projekt in Regensburg

Das Erasmus+KA2 Projekt zwischen Regensburg, Beausoleil (FRA) und Helsinki (FIN) läuft über zwei Jahre. Im Dezember 2019 hat an der Fachakademie für Heilpädagogik in Regensburg das zweite Treffen stattgefunden. Aus der weiterführenden Schule Beausoleil (Frankreich) und dem Diakonia College Suomen Diakoniapisto Oy Helsinki (Finnland) kamen insgesamt 5 Lehrkräfte, um gemeinsam mit den Dozenten und Studenten der Fachakademie das Thema „Stärkung der Inklusion von Studenten mit erhöhtem Unterstützungsbedarf durch Positive Psychologie" zu bearbeiten. Es gab die Gelegenheit sich kennenzulernen, die Lehrmethoden der Schulen und Länder auszutauschenund sich für das nächste Treffen im März 2020 vorzubereiten.

Die Gäste waren von Sonntag bis Donnerstag in Regensburg. Das Programm bestand aus fünf Workshops, an denen auch Dozenten und Studenten der Fachakademie teilnehmen konnten. Diese sind Teil des „learning-teaching-trainings". Zwei Exkursionen zum Haus Hermannsberg und dem Atelier Kunst Inklusiv wurden unternommen.

Um die Stadt und das Land mit seinen Strukturen, der Geschichte und Traditionen kennenzulernen, konnten die Besucher aus Finnland und Frankreich an einer Stadtführung teilnehmen und verschiedene historische Plätze besuchen. Wie in der Positiven Psychologie beschrieben, wurde das Programm zur Stärkung des positiven Gruppengefühls, von Aktivitäten mit positiven Emotionen ergänzt.

Foto: Positive Psychologie baut auf den Charakterstärken auf.  In Finnland wird mit vielen Studierenden mit Handicap erfolgreich mit den Stärkenkarten die Berufsausbildung begleitet.

Für den ersten Workshop am Montag wurde Frau Luise Kumm eingeladen, die derzeit ihren Masterin Heilpädagogik absolviert und darüber hinaus als fachliche Assistentin an der europäischen Akademie für Heilpädagogik in Berlin tätig ist. Sie stellte das Berufsbild der Heilpädagogik in Deutschland mit ihrenAnsätzen undihren rechtlichen Rahmenbedingungen vor. Zudem nahm sie Bezug auf die Veränderungen in der Umsetzung der Integration und Inklusion von Menschen mit Behinderung seit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009. In der anschließenden Austauschrunde berichtete die finnische Delegation über Erfahrungen aus ihrem Land. Sie verwendeten dieselben Begriffe wie in Deutschland und es gäbe auch einen Mangel an Inklusionsfachkräften. Hingegen seien sie im allgemeinen Schulsystem schon fortschrittlich, so gibt es beispielsweise Coaches, die die Lehrer im schulischen Alltag unterstützen. Entwicklungsmöglichkeiten werden aber auch im finnischen Schulsystem noch gesehen.

Die französischen Gäste beschrieben, dass ihr Schulsystem noch stark durch Exklusion geprägt sei, sich aber erste Ansätze von Inklusion zeigten Es seien Einzelintegrationen möglich. Die Umsetzung einer gelingenden Inklusion scheitere aber oft am Fehlen von Lehrkräften mit qualifizierten Kompetenzen für Menschen mit Behinderung. Die finanzielle Unterstützung der betroffenen Eltern sei nicht ausreichend und es existierten überwiegend private, kostenintensive Förderzentren für Menschen mit komplexen Behinderungen.

Michaela Wegener, Dozentin und Coach der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie und Leiterin der Weiterbildung für Heilpädagogik in Schwalmstadt, hat am Mittwoch die Positive Psychologie theoretisch und praktisch vorgestellt. Beginnend mit dem PERMA-Modell ging es weiter mit den Charakterstärken jedes einzelnen Teilnehmers, die anhand von Fragen und Stärkenkarten entdeckt werden konnten. Im Austausch mit den Gästen haben die französischen Lehrkräfte aufgezeigt, wie wichtig das Bestärken der Fähigkeiten der Schüler für die Lernatmosphäre sei und dass sie dies mehr in ihren schulischen Alltag einbinden möchten. In Helsinki werdenvorgestellte Materialien der Positiven Psychologie schon eingesetzt. Die Delegation betonte aber, dass ein Evaluieren der Methoden und Konzepte weiterhin wichtig sei und sie dies bei ihnen nicht vernachlässigen wollten.

Foto: Auch Kooperation und Bewegung können wesentliche Erfahrungselemente sein, damit die Stärken und -Ressourcen, somit auch die Erfolgserlebnisse sichtbar werden.

Dozenten der Fachakademie Susanne Schmucker, Dr. Anika Keppler und Sabine Steindl haben verschiedene Workshops geleitet:

Susanne Schmucker, die auch Tangolehrerin ist, hat den Workshop „Führen und geführt werden" geleitet. Am Beispiel des Tangos wurden die Fragen „Wie kann es gelingen achtsam und verantwortungsvoll zu führen? Wie kann ich ins Spüren und in das Vertrauen kommen, geführt zu werden?" behandelt. Dies lässt sich auf unseren „Alltagstanz" übertragen.Auch hier haben wir die Aufgabe Menschen zu führen, in führenden, erzieherischen, pflegenden, pädagogischen oder therapeutischen Situationen. Indem auch die„andere Seite" kennengelernt wird - das Mitgehen und Geführt werden - kann dabei helfen, zu erkennen welche Qualitäten für eine gelingende Führung wichtig sind. In der Selbsterfahrung konnte dies erlebt werden.

Dr. Anika Keppler hat die Besonderheiten und Funktionen der Supervision und eine Auswahl an Methoden vorgestellt, die in den wöchentlichen Supervisionsgruppen mit den Studierenden, zur Reflexion der Fachpraxis und der eigenen heilpädagogischen Arbeit angewendet werden. Das Thema wurde zusammen mit den Studierenden vorgetragen und die Gäste konnten einen praktischen Einblick in die Gruppen bekommen.

Sabine Steindl hat die Psychomotorik im Bewegungsraum der Fachakademie praktisch dargestellt. Die Gäste konnten mit den Studierenden verschiedene Stationen erkunden und die Möglichkeiten, die es in der Förderung gibt, zusammen erarbeiten. Es wurde ein Einblick in die praktische Heilpädagogische Arbeit gegeben und eine Selbsterfahrung ermöglicht.

Foto: Im Haus Hermannsberg haben die Partnervertreter aus Finnland und Frankreich Einblicke in die inklusive Beschäftigung von Menschen mit Behinderung gewonnen.

Das nächste Treffen wird im März 2020 wieder in Regensburg stattfinden. Bei diesem Besuch werden aus Finnland Schüler mit erhöhtem Unterstützungsbedarf und ihre Lehrkräfte mitkommen.

In einem abschließenden Austausch ist deutlich geworden, dass die gemeinsamen Tage für alle Beteiligten als Bereicherung empfunden wurden. Die heilpädagogische Haltung fand bei den Gästen großen Anklang. Die Heilpädagogik wird durch die gegebene Vielfalt als wertvoll und gewinnbringend in der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen betrachtet.

Foto: Haus Hermannsberg im Advent. Die Partner aus Frankreich und Finnland waren begeistert über die inklusive Wege und die Arbeitsergebnisse.