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Vom 6.-8. März fand in Mainz die
Ständige
Konferenz der Heilpädagogischen Ausbildungsstätten statt.
Die Ständige Konferenz ist ein Zusammenschluss von Fachschulen
und Fachakademien für Heilpädagogik, die sich einem gewissen
Kompetenz und Ausbildungsprofil verpflichtet haben. Neben dem Austausch
über aktuelle Tendenzen ist auch die Weiterentwicklung der Ausbildung
hinsichtlich anstehender fachlicher, struktureller oder gesellschaftspolitischer
Anforderungen ein Anliegen der Konferenz. Im Jahr 2007 stand das Thema
"Integration/Inklusion" als ´Fachteil im Mittelpunkt.
Dazu legten zwei Referentinnen die Begriffe und deren Implikationen
den Mitgliedern der Ständigern Konferenz dar: Frau Prof. Dr. Seifert,
Professorin an der Fachhochschule in Berlin, sowie Frau Mohr-Modes,
Dozentin an der Fachakademie für Heilpädagogik in Regensburg.
Während des weiteren amerikanischen Studiums in Ergotherapie entdeckte ich nicht nur eine heilpädagogische (das Berufsbild des Heilpädagogen gibt es nicht in den USA) bzw. holistische, vernetzte und wertegeleitete Denkweise, sondern ebenso meine Muttersprache neu, d.h. das inklusive Gedankengut und die Probleme mit Wortbedeutungen! Dort wurde ich "Miss Websters" (Websters ist das Standardwörterbuch in USA) von meinen Studienkollegen/innen genannt, weil ich immer nachfragte, "Was meinst du ganz genau, denn in Websters steht ?" Ein kurzes Beispiel über Übersetzungsprobleme bzw. verschiedene kulturelle Sprachverständnisse: Das Wort "Collaboration" (Zusammenarbeit) wird im Englischen sehr häufig benutzt, aber in der deutschen Sprache bedeutet Kollaboration, "die Zusammenarbeit mit dem Feind"! Solche direkten Übersetzungen können in der internationalen Kommunikation problematisch werden und wie oft werden englische Begriffe einfach wortwörtlich ins Deutsche übernommen! Meine Ziele für den heutigen Vortrag lauten:
Wir beginnen mit einem Zitat des Fuchses, als er mit dem kleinen Prinz sprach: "Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse." (De Saint-Exupery, 1998, S. 93) Es gibt viele verschiedene Begriffe und Definitionen im Bereich des Konzepts der Inklusion und ich habe einige aus den vielfältigen Literaturquellen für Sie herausgesucht. Heute möchte ich die Betrachtungsrichtung von der "Quelle der Missverständnisse" bzw. unserem "Sprachsalat" runter zu den Wortwurzeln einschlagen.
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| ENGLISCH | Latein | DEUTSCH |
| to integrate | (integer: whole / ganzes) | integrieren |
| to make into a whole; unify; unite | wiederherstellen eines Ganzen | |
| to join with something else | zusammenschließen; vereinen | |
| to open to all people without restriction | ||
| Inclusion | (includere: to place / einschließen) | Inklusion |
| Placement into a group, class or total | Einschluss; Enthaltensein | |
| (to place) | (einschließen; einbeziehen) |
Nach der Betrachtung der eigentlichen Grundbedeutung aus den Wortwurzeln dieser zwei Begriffe, stellt sich die Frage, wonach streben wir bzw. was wollen wir unseren Kindern wirklich anbieten - eine Integration oder eine Inklusion?
Wir bleiben kurz im Bereich des kulturellen Sprachverständnisses und zwar bei den geschichtlichen Wurzeln, denn " tradierte Sichtweisen [werden] in der Regel nur wenig revidiert"(Hinz, 2007 S.12). Die geschichtlichen Wurzeln bzw. die 5 Stadien der Entwicklung in Deutschland von Alfred Sander (2006) formuliert, finden Sie hier stark zusammengefasst:
Ein kurzer Blick auf die Sprache der Gesetze (auf den Ursprung der Sprache) führt uns weiter in die Verwirrung:
Auf europäischer Ebene: In der Charta von Luxemburg bezieht sich INKLUSION auf Platzierung und Unterrichtung von Schülern mit Behinderungen in Regelschulklassen mit gleichaltrigen Schülern. Das beinhaltet TEILNAHME am Gemeinschaftsleben. Die Sprache in der "Internationale Classification of Function (ICF)" wird auf Partizipation bzw. Mitwirkung, Teilnahme ebenfalls fokussiert.
Beispiele aus Deutschland bzw. Bayern:
In Deutschland ist Bildung ein menschliches Grundrecht.
Das Bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz (Bay EVG) Art. 41 Abs. 1 Satz 1-3 - Vorschriften für Behinderte und für Kranke lautet folgendermaßen: "Schulpflichtige mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die am gemeinsamen Unterricht in der allgemeinen Schule nicht aktiv teilnehmen können oder deren sonderpädagogischer Förderbedarf an der allgemeinen Schule auch mit Unterstützung durch Mobile Sonderpädagogische Dienste nicht oder nicht hinreichend erfüllt werden kann, haben eine für sie geeignete Förderschule zu besuchen. Eine Schülerin oder ein Schüler kann aktiv am gemeinsamen Unterricht der allgemeinen Schule teilnehmen, wenn sie oder er dort, gegebenenfalls unterstützt durch Maßnahmen des Art. 21 Abs. 3, überwiegend in der Klassengemeinschaft unterrichtet werden, den verschiedenen Unterrichtsformen der allgemeinen Schule folgen und dabei schulische Fortschritte erzielen kann sowie gemeinschaftsfähig ist "(Art. 41 Abs.1 Satz 1 und 2 BayEUG)Daraufhin fordern die Eltern: "Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe [aber diese] sind ohne schulische Integration undenkbar Das BayEUG sieht diese nur für einen sehr geringen Teil der betroffenen Schüler und Schülerinnen vor Nach den Ausführungsbestimmungen des Kultusministeriums darf ein sonderpädagogisches Gutachten die Aufnahme an der Volksschule nicht davon abhängig machen, dass die Klassenstärke verringert wird, ein erhöhtes Maß an Stunden (also mehr als 2) durch den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst (MSD) zur Verfügung gestellt wird oder ein Integrationshelfer gewährt wird."(Elterninitiative, o.J.)
Ein Formulierungsbeispiel aus dem Gesetz für Kindertagesstätten:
Verordnung zur Ausführung des Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes (AVBayKiBiG): § 1 Abs. 3 und 4: "(3) Kinder mit und ohne (drohende) Behinderung werden nach Möglichkeit gemeinsam gebildet, erzogen und betreut sowie darin unterstützt, sich mit ihren Stärken und Schwächen gegenseitig anzunehmen. (4) Das pädagogische Personal hat die Aufgabe soziale Integration zu fördern und Kinder bei der Entwicklung ihrer Geschlechtsidentität als Mädchen und Buben zu unterstützen und auf Gleichberechtigung hinzuwirken.(Stewens, 2005)In den USA lautet die Gesetzessprache so (NICHY, 2001):
IDEA`97: " that all children with disabilities have available to them a free appropriate public education (FAPE) that emphasizes special education and related services designed to meet their unique needs and prepare them for employment and independent living."( dass alle Kinder mit Behinderungen- es gibt 11 Katagorien - eine kostenlose passende (angemessene) öffentliche Erziehung bzw. Schulbildung bekommen. Betont wird, dass die Sonderpädagogik und spezielle Dienste so gestaltet sind, dass die individuellen Bedürfnisse der Kinder erfüllt werden können und sie auf ein berufliches und selbständiges Leben vorbereitet werden können.)
Die IDEA`97 Philosophie wird folgendermaßen formuliert:
In der Praxis muss ein Kind zuerst untersucht werden, ob es "eine Behinderung hat" und deshalb Sonderpädagogik braucht. Diese Untersuchung beinhaltet eine Gesundheitsüberprüfung, eine visuelle und auditive Überprüfung, eine Festlegung des sozialen/emotionalen Status, eine Überprüfung der allgemeinen Intelligenz und Schulleistungsfähigkeit, des kommunikativen Status und der motorischen Fähigkeiten. Wenn eine Behinderung bzw. sonderpädagogischer Bedarf festgestellt wird, findet ein IEP - Teamgespräch - bestehend aus Eltern, Schüler (wenn wichtig), Lehrkraft, Psychologe/in oder Sozialpädagoge/in, Therapeuten - statt. Individuelle Ziele für ein Schuljahr werden entwickelt und es wird festgelegt, welche speziellen Dienste, wie oft, wo, und wie lange angeboten werden (FAPE - kostenlos). Es entsteht eine Art "Spektrum der Inklusion" im Sinne einer "am wenigsten einschränkenden Umgebung"(LRE):
| Kooperation -> -> -> -> -> -> -> -> -> -> -> -> |
voll Inklusion
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| Sonderpädagoge/in bzw. MSD im Klassenzimmer |
im Klassenzimmer mit
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| (consultant teacher) oder eigene Förderräume |
gleichaltrigen Schülern.
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| (pull-out - ressource rooms) | |
Die Realität: Beispiele aus USA und aus Bayern
Als erstes möchte ich von einem Besuch einer Inklusionsgrund- und
Hauptschule in den USA berichten:
"Man sieht nur mit den Herzen gut. Das Wesentliche
ist für die Augen unsichtbar." (De Saint-Exupery,
1998, S.96)
Was haben meine Augen gesehen?
- Kinder mit Asperger Syndrom, Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Leserechtschreibstörungen oder minimalen Körperbehinderungen in Klassengemeinschaft mit Gleichaltrigen. In einem "Container" neben dem Hauptschulgebäude, aber mit der Schule durch ein Dach verbunden, beobachtete ich acht Kinder in einer klassenübergreifenden Gruppe mit verschiedenen Behinderungen - Autismus, schwere geistige Behinderung, Mehrfachbehinderung, Verhaltensstörungen z.B. selbst verletzende Verhaltensweisen, Stereotypien, psychische Störungen usw.
- Dieser Raum im Container hatte mehrere Arbeitstische, eine Reihe Computertische an der Fensterseite, einen Brotzeittisch bzw. Küchennische und entsprechend ausgestattete Toiletten mit Wickelraum und Duschkabinen.
- Zwei ganztags pädagogische Kräfte und zeitweise einzelne Therapeuten (Ergotherapeuten/Physiotherapeuten) - für Einzeltherapie in der Gruppe - waren anwesend.
- Ich sah das ganze Inklusionsspektrum - von Exklusion über Kooperation bis Inklusion. Ich erlebte ein IEP - Meeting, in dem die individuellen Ziele formuliert und sofort ins richtige Formular am Laptop getippt wurden.
- In der Highschool gab es einen einzigen großen Raum am Ende des Korridors mit vielen Computertischen. Hier arbeiteten ca. 20 Schüler mit verschiedenen Behinderungen (leichte bis schwere) und eine Lehrkraft mit einer Praktikantin.
Was hat mein Herz gesehen?
- Engagierte Pädagogen/innen und Therapeut/innen, Kinder und Jugendliche, die sich in einer sensorischen Reizüberflutung bemühten, sich zu konzentrieren, zu partizipieren oder nur den Schultag zu überstehen?
- Kinder und Jugendliche, die lachten, weinten, brüllten, sangen, tanzten, schaukelten, horchten, mitmachten, verweigerten
- Mein Herz spürte Liebe und Akzeptanz aber auch Frust, Erschöpfung, Angst und Überforderung bei den Pädagogen und bei den Kindern.
- Mein Herz fragte ganz leise: "Wird ein Menschenbild mit all den individuellen Potentialen bzw. Stärken und Schwächen wirklich geachtet oder heißt es - wir stehen es gemeinsam durch? Die Inklusion, für wen und zu welchem Preis?"
Betrachten wir kurz die schulpraktischen Perspektiven in Deutschland.
Die inklusive Schule - wie sollte sie am Ende der Reformprozesse letztendlich aussehen? Alfred Sander (2006) beschreibt sie folgendermaßen:
Meiner Meinung nach sind wir in Bayern noch weit weg von dieser Darstellung! Hierzu ein kurzes, stark zusammengefasstes Fallbeispiel:
"Melvin", Autismus und eine Kooperations- bzw. Integrationsklasse
Melvin bekam im Vorschulalter die Diagnose "Tiefgreifende Entwicklungsstörung - Autistic Spectrum Disorder". Er zeigte typische Symptome aus dem autistischen Bereich, z.B. Stereotypien, sensorische Über- und Unterreaktionen, keine Sprache und wenig Arbeitshaltung. Der Integrationswunsch, die Haltung und das Engagement bei den Eltern waren groß. Melvin besuchte einen integrativen Kindergarten. Die Einschulung in eine Schule für geistig Behinderte wurden von den Eltern abgelehnt und dafür brachten die Eltern in starker Zusammenarbeit mit universitären sonderpädagogischen Fachkräften, dem Schulamt und anderen Eltern, die Aufnahme in eine integrative Schulklasse in einer wohnortnahen städtischen Grundschule zu Stande. Diese sog. Kooperationsklasse gehörte zu einem "Bildung für Alle" Projekt in Bayern, d.h. es entstand eine Kooperationsklasse in der Grundschule bzw. im bestehenden bayrischen Schulsystem. Das Team bestand aus einer Grundschullehrerin, einer Sonderpädagogin, einer Erzieherin als Integrationshelferin, einer Heilpädagogin und einer Erzieherin aus der Schule für geistig Behinderte. Über drei Jahre versuchten alle Beteiligten, inklusiv Therapeutinnen außerhalb der Schule, Melvin zu integrieren und zu fördern. Es gab Helferkonferenzen, Fachkonferenzen, Elterngespräche usw. Das Ergebnis war ernüchternd und bestand aus Enttäuschung, Frust, Erschöpfung, Fehlversuchen, mangelndem Fortschritt, mangelnder Integration, Schuldzuweisungen und Kommunikationssperren. Die Eltern gaben letztendlich auf und zogen ins Ausland nach Irland.
Fazit: Wenn Integrations- bzw. Inklusionsgedankengut in ein bestehendes System hineingewürgt wird - ohne umfassende Systemreform - ist es zum Scheitern verurteilt.
Schauen wir auf eine positive Story. Sehen wir uns das bereits erwähnte Beispiel von Felix und seiner Inklusionserfolgsgeschichte genauer an. Wegen starken Verhaltensauffälligkeiten wurde Felix in der 4. Klasse vom Schulbesuch ausgeschlossen und es gab erhebliche Erziehungsprobleme zu Hause. Es wurde von Fachkräften der Verdacht auf Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), Legasthenie und graphomotorischer Dyspraxie geäußert. Felix bekam Spieltherapie, verbrachte sechs Monate zur Beobachtung und Behandlung in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie und ging danach in die Schule für Erziehungshilfe (E-Schule). Er wurde in dieser Zeit in einer heilpädagogischen Tagesgruppe (HPT) nach der Schule betreut. Felix schaffte einen Wechsel in die Hauptschule mit Hilfe einer Lehrkraft, die ihn individuell unterstützte, unter anderem durch Einsetzung eines Laptops und Schaffung mehrerer Möglichkeiten zur mündlichen Benotung. Zur Zeit befindet sich Felix in der Hauptschule "M-Zug" und hofft seine Mittlere Reife zu schaffen bzw. mit dem Endziel ein Fachabitur zu bekommen. Ich hatte die Gelegenheit Felix neulich zu befragen. Ich fragte ihn, was er in seinem Leben braucht, bzw. was ihm hilft. Er antwortete: "Menschen, die nicht werten; Menschen, die mich akzeptieren, so wie ich bin; von der Gesellschaft wenig Anpassungszwang." Hätte er die Chance mit den Therapeut/innen und Pädagogen/innen zu sprechen, die ihn bisher begleitet haben, was würde er ihnen sagen wollen? Felix brachte einen Inklusivgedanken auf den Punkt: "Hört auf in [Clustern], Gruppen und Mustern zu denken und gebt den Kindern Gelegenheit sich zu entwickeln. Ansonsten eigentlich nichts, denn diese Gruppen und Muster, in [welche] die Kinder eingeordnet werden, sind für all die Zwänge und standardisierten Behandlungen verantwortlich, die oft mehr schaden als nutzen."
Bei einem Blick auf die bildungspolitische- und fachwissenschaftliche Perspektiven in Deutschland schrieb Alfred Sander (2006): "Deutschland hat eins der am stärksten gegliederten und separierenden Bildungssysteme in Europa "(S.9) Mit der Inklusion Schule kommt die Angst, dass die Sonderschulen aussterben. (Wie wäre es mit sowohl als auch, statt entweder oder?) Es gibt die Meinung, dass ein Kontinuum von alternativen Platzierungsmöglichkeiten den Interessen des Kindes mit sonderpädagogischen Förderbedarf besser diene. Es ist mir natürlich bewusst, dass es Unterschiede in den verschiedenen Bundesländern gibt. Viele Beispiele dafür sind in der Literatur zu finden und wir haben heute Vertreter von mehreren Bundesländern hier bei dieser Konferenz, so dass ein reger Austausch in der Diskussionsrunde möglich wird. Trotz verschiedener Systeme, stellt Herr Sander fest: "Wer inklusive Schulen will, muss die Lehrerausbildung entsprechend modifizieren". (S.9) Es wirken verschiedene Lehrerorganisationen, Fachverbände und Gewerkschaften, z.B. Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) an einem Konzept "Eine Schule für Alle"
Fachwissenschaftlich braucht eine Inklusion-Schule ein enges Zusammenwirken von Sonderpädagogik und Regelpädagogik. Kompetenzen aus interkultureller Pädagogik, altersheterogene Schulklassen und Gesamtschulpädagogik, Sozialpädagogik "und anderen Teildisziplinen" sind ebenfalls erforderlich. (Sander, 2006) An dieser Stelle möchte ich rhetorisch fragen: Und die Heilpädagogik - wo ist/bleibt ihre Stimme? Denn Inklusion findet nicht nur in der Schule statt sondern auch in vorschulischen, nachschulischen und nebenschulischen Sozialräumen!
Ziel der Sprache ist Kommunikation! "Wenn ich ein Wort verwende", sagte Humpty Dumpty in einem verärgerten Ton, "hat es genau die Bedeutung, die ICH wähle - nicht mehr und nicht weniger." "Die Frage ist", sagt Alice, "ob Du die Bedeutung von Wörtern so verschieden machen darfst!" (Alice im Wunderland) Was bedeutet es hier in Deutschland, wenn wir von Inklusion sprechen? Der Begriff Inklusion ist in Deutschland bereits etabliert. Es bleiben aber mehrere Fragen: Wird wirklich Kind orientiert bzw. Klient zentriert gehandelt? Sind die einzelnen Kinder jemals gefragt worden, was sie wollen? Ist eine Inklusive Schule für jedes Kind wirklich das Ziel? Meine persönliche Meinung ist die der Kanadier: Ich finde, Integration wäre nach wie vor unser oberstes Ziel und die Inklusion (nach individuellen Bedürfnissen) wäre die Methode, dieses Ziel einer Integration zu erreichen. Inklusion verstanden, als "optimierte und erweiterte Integration", führt uns zurück zu den richtigen Begriffen und Wortwurzeln, zu der deutschen Sprache und kulturellem Sprachverständnis.
Ich habe einen sehr kritischen Blick auf die inklusive Schule geworfen; aber ich meine, ein kritischer Blick gibt Chancen für die Entwicklung eines eigenen Inklusionsmodells, das zur deutschen Geschichte und zur deutschen Kultur passt. Die Heilpädagogik mit ihrem Leitbild und mit ihrem Grundgedankengut sollte eine wichtige Rolle in dieser Entwicklung spielen.
Daraus folgen Konsequenzen für die heilpädagogische Ausbildung und darüber werden wir in den Arbeitsgruppen heute Nachmittag reflektieren. Nach dem Index für Inklusion (Boban & Hinz, 2003) gibt es 3 Dimensionen des Prozesses einer inklusiven Schulentwicklung:
Wenn etwas in der Gesellschaft geändert werden
soll, muss jedes Individuum mit sich selbst anfangen, d.h. die innere
Einstellung/Haltung ändern. Die eigene innere Einstellung zur Andersartigkeit
muss zuerst reflektiert werden - und damit einen ersten Schritt zu "inklusiven
Kulturen schaffen"! Wie wir wahrnehmen, so handeln wir und Wahrnehmungen
sind veränderbar. In diesem Sinne, als letztes zusammenfassendes
WORT, ein Exzerpt aus Pascal Merciers Roman Nachtzug nach Lissabon:
"Silveira holte seine Bibel und las diese Anfangssätze des
Evangeliums nach Johannes: Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.
Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht
und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In
ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.
"Also ist das Wort das Licht
der Menschen", sagte er. "Und so richtig gibt es
die Dinge erst, wenn sie in Worte gefasst worden sind."
"Und die Worte müssen einen Rhythmus haben", sagte Gregorius,
"einen Rhythmus, wie ihn zum Beispiel die Worte bei Johannes haben.
Erst dann, erst wenn sie Poesie sind, werfen sie wirklich Licht auf
die Dinge. Im wechselnden Licht der Worte können
dieselben Dinge ja ganz unterschiedlich aussehen." (Mercier,
2006)
Ich bedanke mich recht herzlich für Ihre Aufmerksamkeit!
Barbara Mohr-Modes, MSOT
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Abram, S. (2003).
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Die internationale Theoriendiskussion von der
Integration zur Inklusion und die Praxisentwicklung in Südtirol.
Erhalten am 21.02.07 vom world wide web: http://bidok.uibk.ac.at/library/
(Themenbereich: Schule).
Bayerisches Erziehungs- und Unterrichtsgesetz, Artikel 41 Absatz 1 Satz (1,2 und 3). Erhalten am 07.01.07 vom world wide web: http://www.servicestelle.bayern.de/bayern_recht/recht_db.html?http://by.juris.de/by/gesamt/EUG_BY2. |
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Birkenbihl, Vera (2005).
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Jungen und Mädchen: Wie sie lernen. München:
Knaurratgeber.de Verlag, 97.
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Boban, I. / Hinz, A., (Hrsg.) (2003).
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Der Index für Inklusion - Eine Möglichkeit
zur Selbstevaluation von "Schulen für alle". In:
Feuser, G. (Hrsg.). Integration heute - Perspektiven ihrer Weiterentwicklung
in Theorie und Praxis. Hamburg: Peter Lang, 37-46.
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De Saint-Exupéry, A.(1998).
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Der Kleine Prinz. Düsseldorf: Karl
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Elterninitiative (o.J.).
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Situation in Bayern - Integration ist kein
Gnadenakt. Erhalten am 07.01.07 vom world wide web: http://integration-bayern.de/Schule/positionspapier_1.htm.
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Heimlich, U. (2003).
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Integrative Pädagogik - Eine Einführung
/ Grundriss der Pädagogik/Erziehungswissenschaft. Stuttgart:
Kohlhammer Verlag, Band 13.137-183.
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Hinz, A.(2004).
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Vom sonderpädagogischen Verständnis
der Integration zum integrationspädagogischen Verständnis
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Hinz, A. (2007).
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Inklusive Qualität von Schule. In: Vierteljahresschrift
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Informationsbroschüre zum Thema: Related
Services. Hrsg.: National Information Center for Children and
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Lurija, A. R. (1993).
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Romantische Wissenschaft. Forschungen im
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Mercier, P., (2006).
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Nachtzug nach Lissabon. München:
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Sander, A., (2001).
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Dokumentation der Nationalen Fachtagung vom
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in Deutschland. European Agency: Middefart (DK), 143-164.
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Sander, A., (2006).
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Liegt Inklusion im Trend? In: Vierteljahresschrift
für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete (VHN,76).
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Schumacker, E.F. (1977).
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Ständige Konferenz von Ausbildungsstätten
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Kompetenzprofil Heilpädagogischer Ausbildung
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Bayrisches Gesetz- und Verordnungsblatt Nr.
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Swinth, Y., (2002).
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Seminar Script: Occupational Therapy in the
Schools. University of Puget Sound, Post professional Masters
of Science in Occupational Therapy Program, Tacoma, WA, USA.
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Bitte senden Sie Ihre Kommentare an den Webmaster. Dieses Dokument wurde zuletzt aktualisiert am 31.07.2007
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