« Zurück

Exkursion in den Snoezelen-Pavillon

Ein Sinneserlebnis der besonderen Art hatten die Studierenden der Fachakademie für Heilpädagogik bei ihrer Exkursion in den Snoezelen-Pavillon bei den Barmherzigen Brüdern in Reichenbach.

Entstanden ist die Idee des Snoezelens Ende der 70er in den Niederlanden, konzipiert als Freizeiterlebnis für Menschen mit schwerer Behinderung. Beim Snoezelen laden verschiedene speziell gestaltete Räume und Materialien zu vielfältigen Sinneserfahrungen ein. In einer angenehmen Atmosphäre dürfen und sollen sich die Besucher wohlfühlen, entspannen, aber auch Sinnesanregungen erleben, sich aktiv und selbstwirksam erfahren können.

Die Studierenden konnten einen ganzen Vormittag  in dem über 270 qm große Snoezelen-Pavillion ausprobieren, experimentieren, toben und entspannen, wahrnehmen und geniessen,….: Gleich am Eingang begrüßten uns Klangspiele, verschiedene Tastwände und ein Klangboden, der  beim Betreten Licht und Töne erzeugt. In dem Raum nebenan fanden sich Geräte zum Wiegen, Schaukeln, Schwingen. Vorbei an einem Flur mit Tastbildern an der Wand kommen wir zu einem großen Kugelbad, die bunten Fensterscheiben lassen den Raum in verschiedenen Farben schimmern. Weiter ging es in einen Raum in dem verschiedene Klänge und Töne  erzeugt werden konnten, aber auch körperlich spürbar wurden, z.B. auf dem Klangbett. Auf dem Airtramp wurde uns dann ganz schön heiß -  beim Hüpfen und gehüpft werden. Schon kleinste Bewegungen auf dem riesigen Luftkissen bringen den Körper in Schwingung und Schwung. Besondere Wahrnehmungserfahrungen konnten dann im weißen Raum gemacht werden. Herr Dirnberger, Sozialpädagoge bei den Barmherzigen Brüdern in Reichenbach, führte uns durch eine Welt von Lichtern und Farben, entspannte Musik, Wassersäulen die farbig leuchten, im Hängesessel die Farbspiele beobachten, …. „Ich wollte gar nicht mehr raus, weil es so schön war" beschreibt eine Studierende ihre Eindrücke.

Herr Dirnberger erklärt uns, dass das Snoezelen in Reichenbach fast ausschließlich als Freizeiterlebnis genutzt wird, es aber durchaus auch zu therapeutischen Zielen eingesetzt werden kann.  In der heilpädagogischen Begleitung von Menschen mit Schwerstbehinderung ist das Snoezelen schon viele Jahre fester Bestandteil der Förderung und Therapie. Theoretische Grundlage des Snoezelens sind auch Inhalt der Weiterbildung zur Heilpädagogin / zum Heilpädagogen. Daneben lernen sie die Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung, insbesondere die  Verarbeitung von Sinnesreizen . Wichtig, um  Reaktionen auf Sinnesreize richtig einordnen zu können.  Woran erkenne ich bspw.  eine Reizüberflutung?  Welche körperlichen Reaktionen können ein Hinweis auf eine Überempfindlichkeiten auf Sinnesreize sein?  Beim Snoezelen braucht es eine achtsame Begleitung. Diese ermöglicht auch, die Bedürfnisse des Anderen wahrzunehmen. Nur so kann Snoezelen zum Genuss werden. Denn eines der grundlegendsten Prinzipien beim Snoezelen ist die Freiwilligkeit und die Selbstbestimmung: Nichts muss, alles darf erlebt und ausprobiert werden.

Immer mehr öffneten sich in den letzten Jahren auch Kindergärten und Schulen, Einrichtungen des Gesundheitswesens und vermehrt auch Senioreneinrichtungen für das Snoezelen.  Hochbetagte Menschen waren ebenfalls Thema  der Exkursion. Veränderungen wie auch Bedarfe im Leben und Erleben von alten Menschen sowie Grundlagen der Geragogik haben in der Weiterbildung zur Heilpädagogin und Heilpädagogen einen festen Platz und stellt ein zunehmend größer werdendes heilpädagogisches Handlungsfeld dar.  Frau Gerlinde Simon, Dozentin an der Fachschule für Heilerziehungspflege,  gab uns einen Einblick in das Konzept und die Räume der Tagesgruppe für Senioren der Einrichtung. Sie zeigte uns, wie dort auf die besonderen Bedürfnissen der hochbetagten Menschen mit Behinderung eingegangen werden kann.  Betreut werden hier Bewohner die aus dem Arbeitsleben in der WfB ausscheiden, sie finden hier Möglichkeiten um ihrem Wunsch nach Kontakt, Kommunikation und Freizeitbeschäftigung nachzugehen. Hier treffen sich die Senioren und Seniorinnen zum gemeinsamen Spielen oder Kochen, es werden Ausflüge wie auch  Rätselrunden oder Spiel- und Bewegungsangebote gemacht, und natürlich werden auch die Snoezelen-Räume regelmäßig genutzt.  

Text_ Sabine Steindl, 20.Juli 2017